Kopf ab

Oberkörper entkleiden gestaltet sich immer interessant. Nie weiß die Pflegekraft, wo ansetzen, damit der Bewohner sich nicht im Pullover verirrt – und Angst bekommt, nie wieder herauszufinden. Klassiker: Pullover halb übern Kopf, Arme erhoben, aber schön gespreizt, aus eigener Kraft vermutlich nicht mehr zu befreien (wenn man bedenkt, dass einige Bewohner bis vor kurzem noch in der eigenen Wohnung gelebt haben, fragt man sich oft, wie das so lange gut ging.)

PK muss also helfen, den Rest über den Kopf zu zerren, irgendwie.

Frau Y tut ein Gleiches, zieht heftig am geliebten Kleidungsstück, beginnt hörbar zu hyperventilieren. PK möchte die Situation nun ein wenig entspannen. Weil Frau Y noch in der Lage ist, Witze zu verstehen – und mitzumachen, wird also erst mal gescherzt:

PK: „Aber nicht Kopf abreißen!“

Frau Y, die gewohnt ist, nicht nur an sich zu denken, ergänzt: „Und auch nicht Knopf abreißen!“

(Wir haben uns bemüht. Abgesehen davon, dass ein Pullover nur selten Knöpfe hat – im Fall der Fälle würde die PK dann doch ihre Prioritäten setzen…)

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6 Antworten zu Kopf ab

  1. „im Fall der Fälle würde die PK dann doch ihre Prioritäten setzen“

    Och, das ist ja tröstlich! *gg

  2. Himmelhoch schreibt:

    Du schreibst: „(wenn man bedenkt, dass einige Bewohner bis vor kurzem noch in der eigenen Wohnung gelebt haben, fragt man sich oft, wie das so lange gut ging.)“ – und ich wundere mich eigentlich über das Gegenteil. Mir haben die PKs jetzt gesagt, dass meine Mutter in den zwei Monaten im Heim ca. 2 Jahre „älter“ oder natürlich dementer geworden ist. Sie hat das wirklich alles bis zum Nov. 2012 lässig locker allein gemacht, wenn man mal von der kaputten Schulter und den Schmerzen damit absah.

    • Wiebke Hoogklimmer schreibt:

      Das ist ein interessanter Aspekt, den ich auch schon von anderen Angehörigen gehört habe. Ob es dafür irgendeine Erklärung gibt? Vielleicht nehmen die BewohnerInnen die Hilfe im Heim gern an und verlieren eigenes Können? Oder aber sie fühlen sich in der neuen fremden Umgebung einfach wesentlich unsicherer als zuhause? Ich habe keine Ahnung……..

    • Himmelhoch schreibt:

      Nein, ist hier anders. Sie lebte seit 2007 mit einer Pflegestufe 1 in einem anderen Heim, aber am 11.11. stürzte sie, wurde operiert und seitdem kann sie – neben den anderen Gebrechen – jetzt auch nicht mehr laufen. – Die Demenz schritt voran wie die galoppierende Schwindsucht – doch im März wird sie 98.

    • Wiebke Hoogklimmer schreibt:

      Das ist ja ein bewundernswertes Alter!
      Bei meiner Mutter war es auch so, daß sie nach jedem Krankenhaus-Aufenthalt wesentlich dementer zurück ins Heim kam. Das habe ich auch bei anderen BewohnerInnen bemerkt und mich mal darüber mit den Pflegekräften unterhalten, die bestätigten, daß die Krankenhausaufenthalte ein unglaublicher Einschnitt seien.

    • Himmelhoch schreibt:

      Und sie war 29 Tage drin, davon 3 Wochen geriatrische Reha, die so gut wie nichts gebracht hat.

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