Setzen, BITTE

Endlich im Bad angekommen. Der Bewohner ist sowohl an Demenz erkrankt als auch schwerhörig. Seine Sprache ist langsam, schleppend. Ehe er etwas begreift, die (mögliche) Antwort gefunden (und ausgesprochen!) hat, können schon mal ein paar Sekunden  vergehen. Das Ganze summiert sich dann so:

PK: Setzen Se sich mal hin, bitte!

Bew: Wer?

PK: Sie!

Bew: Wer soll sich rübersetzen?

PK: Sie sollen sich mal hinsetzen, bitte, Herr Z!

Bew: Hm?

PK, laut und deutlich, langsam: Setzen Sie sich mal auf die Toilette, bitte!

Bew: AUF die Toilette?

PK: Jaaa, setzense sich ma drauf, die is genau hinter Ihnen.

Bew: Is ja n dolles Ding.

PK: Na kommse ma, setzense sich!

Bew: Hm?

PK: Setzense sich bitte! — (langsam ungeduldig:) Herr Z, bitte ma HINsetzen!

Bew: WAS?

PK, nahezu resigniert, bittend: Setzen Sie sich bitte auf die Toilette.

Bew: So was jetzt?

PK: Ja, halten Sie sich mal hier an der Stange fest – schön festhalten, so und jetzt ma setzen, bitte! Mal SETZEN, Herr Z!

Bew: Setzen???

PK: Jaaa, bitte setzen Sie sich.

Bew: Kein Doktor?

PK: Nein, weil wir umkleiden müssen, das ist alles nass!

Bew: Hm?

PK offenbar gereizt, kurz und militärisch: Herr Z, bitte SETZEN! — (deutlich milder) Kommse mal, setzen Sie sich doch mal…

Bew: (unverständlich) …

PK: Ja, bitte einmal hinsetzen!

Bew: Hm?

PK: Ja, bitte einmal hinsetzen!

Bew: Aha.

(Offenbar ohne Ergebnis, denn PK muss weiter drängeln) PK: Setzen Sie sich, Herr Z!

Bew: Wo?

(Pause.)

PK: Auf die Toilette, die hinter Ihnen steht!

Bew: Auf welche Toilette?

PK: Einfach hinsetzen!

Bew: Einfach hinsetzen?

PK: Ja!

Bew: Ick hab doch meine eigene!

PK: Naja, da sind Sie doch gerade!

Bew: Ja?

PK: Ja. Also bitte hinsetzen!

(Pause.)

PK: Herr Z, kommse mal, ick helfe mal. Jetz mal setzen. Hier. Setzen bitte. Hier hinsetzen. (Pause.) So. Ja, prima!

Bew sitzt zwar, ist aber noch nicht so recht überzeugt:  Einfach HIER hinsetzen?

Beim anschließenden Blick auf die Uhr stellte sich heraus, dass die gefühlte halbe Stunde „nur“ zwei Minuten waren.

Vergegenwärtigt man sich jedoch den Zeitaufwand, den klügere Leute offiziell für einen Toilettengang insgesamt (Gehe zu: Körperpflege, Punkt 7) veranschlagen, fragt man sich Fragen.

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Über snoopylife

Gar nichts.
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3 Antworten zu Setzen, BITTE

  1. frlstreberlin schreibt:

    ist wirklich schrecklich, dass es dafür Zeitkorridore gibt. Es sind Menschen, um die man sich da kümmert. Menschen sind auch im Alter sehr individuell und genauso individuell sind die Zeiten, die man für ihre Pflege benötigt.
    Diese Zeitkorridore hören sich ja eher so an, als würde man bei Opel am Fließband arbeiten und muss genormte Schrauben, Bolzen usw. anbringen.
    Da kann ich die Mutter eines Freundes schon verstehen, wenn sie sagt, sie bringt sich lieber um, als irgendwann in ein Pflegeheim zu gehen.

  2. Sofasophia schreibt:

    hab grad mal den link angeklickt. boah. mich schaudert. „zeitkorridore“ noch so ein hässliches neues wort. der mensch ist keine maschine, der auf befehl scheissen kann. was für eine welt!

    die ungeduld der PK hat im beschriebenen fall wohl eher mit dem damoklesschwert „zeitkorridor“ als mit dem klienten selbst zu tun. wobei wir solche stresskomponenten wohl irgendwann verinnerlicht haben?!

    liebe grüße, soso

  3. Blöd nur, dass es darauf keine Antworten gibt, die auch nur annähernd etwas mit der Praxis zu tun haben, hm?!

    Einen leicht verständlichen Sonntag wünsche ich Dir, liebe Snoopy!

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