Teuer

Es gibt wohl kaum eine ganze Generation, die sparsamer ist als diejenige, welche nun langsam aber sicher die Heime bevölkert.

Im allgemeinen haben sie den Krieg erlebt, auf jeden Fall die – nicht weniger harte – Nachkriegszeit. Man merkt es vor allem an Kleinigkeiten. Am Reflex, IMMER zu sparen – selbst wenn es sich um Damen + Herren handelt, die das heute gar nicht mehr nötig haben. Sie sind dahin gekommen, wo sie jetzt sind (und das ist ohne jeden Hintergedanken zu lesen!) weil sie eisern gespart haben. Ein Platz in unserem Heim ist recht teuer.

Think: Warum kann bei uns sowohl die ehemalige Buchhalterin, der ehemalige einfache Handwerker, als auch die ehemalige Selbstständige wohnen? Was war damals, vor allem in der Wirtschaftswunderzeit, möglich, das heute nicht mehr möglich ist?

Die Heime, die meine Generation bewohnen wird, separieren vermutlich strenger nach arm und reich. Denn mit den Löhnen heutzutage… Aber um mich solls hier nicht gehen. Sondern um Frau X, wieder einmal im ewigen Clinch mit dem Wasserhahn.

PK macht vor, wie es geht, damit das Wasser aufhört zu fließen:

„Runterdrücken!“

Wasser geht aus. In die lastende Stille hinein ertönt die Frage von Frau X: „Immer noch?“

„Nein.“, sagt die PK.

Frau X überlegt. Dann, verständnisvoll: „Achso, das wird zu teuer.“

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Über snoopylife

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5 Antworten zu Teuer

  1. Himmelhoch schreibt:

    Das könnte ich über meine Mutter auch sagen. Leider war ihr Motto oft: „Spare um jeden Preis, koste es, was es wolle!“ – Sie musste nicht unbedingt sparen, denn sie hat gut verdient und hat jetzt auch eine sehr gute Rente. Ich muss wirklich sparen und zum Glück ist der erste Teil des Satzes ganz schön auf mich übergegangen – manchmal ist mir das schon selbst peinlich.

  2. Vermutlich wird es, wenn „meine Generation“ soweit ist, nur noch so eine Art Sammelunterkünfte geben. Persönliche Betreuung findet dann nur noch untereinander statt; jeder tut das, was er noch kann. Einzel-/Doppel-Zimmer? Fehlanzeige. Privatsphäre? Lachhaft! Ne, das sind keine guten Aussichten.

  3. Thala schreibt:

    Diese Sparsamkeit kann man gut daran erkennen, wenn Bewohnerinnen Kartoffeln schälen. So hauchdünn bekomme ich die Schalen gar nicht hin. Eine von den Damen riet mir sogar, meine großzügig geschnittenen Schalen für eine Kartoffelsuppe zu verwenden.

  4. Sofasophia schreibt:

    meine elterngeneration (schweiz) hat zum teil auch geerbt (ländereien, höfe) und darum ein gewisses vermögen angehäuft. aber natürlich ist die sparsamkeit schon sehrsehr verinnerlicht.

    ich hoffe, dass es in unserer generation eine neue generation „heime“ gibt, die eher grossen wgs gleichen. da werden jedenfalls hierzulande weichen gestellt. wie das in dtld ist, weiss ich aber nicht.

    ich hoffe, dass der solidaritätsgedanke in der rasant zunehmenden isoliertheit unserer gesellschaft nicht verloren geht und das menschsein auch weiterhin gelebt werden kann. ja, so ein leises grauen hab ich zuweilen schon.

    gut, dass du das ansprichst!

  5. Wiebke Hoogklimmer schreibt:

    Die Sparsamkeit trifft auch auf meine Mutter zu.

    In dem Stift meiner Mutter, das recht teuer ist, ist es allerdings so, daß die verschiedenen Berufsgruppen zusammenleben können, da bei denjenigen, bei denen die Rente nicht ausreicht, das Sozialamt die Restsumme übernimmt. Wobei der Betrag, den die Sozialämter mit den Heimen aushandeln, wesentlich unter dem Betrag liegt, den Privatzahlende zahlen müssen!

    Für meine Generation nehme ich auch an, daß das System bis dahin zusammengebrochen ist, da es kaum Privatzahler geben wird.

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