das Schönste, Sie wissen, was ich meine

Fräulein Z, ich nenne sie bewusst so, das ist die mit dem Puzzle und dem Licht.

Sie war eine hübsche Frau, es gibt Bilder. Trotzdem hat sie nie einen „abgekriegt“. Warum, weiß niemand so recht. Nun, im stolzen Alter von 90 Jahren, verlangt sie häufig nach dem Pfarrer. Besonders in Anwesenheit anderer Leute meint sie oft, sie sterbe bald. Betritt man aber zufällig einmal ihr Zimmer und hat vorher – nunja – zu leise geklopft, kann man sie beobachten, wie sie munter und frisch am Rollator ihr Zimmer durchpflügt…
Was der gute Pfarrer davon halten würde, wenn er wüsste, wie Fräulein Z normalerweise gern zu Bett geht… Mit einem Lied auf den Lippen.

Die PK hat dieses Lied so schnell es ging gelernt. Sie findet es nämlich gut, wenn die Leute noch etwas haben, woran sie sich erfreuen. Gerade die Menschen ohne Familie.

Um welches Lied es sich handelt? Man stelle sich vor: Fräulein Z, schlohweiße Haare, klein, etwas korpulent, Falten im Gesicht. Brüchige Stimme, welche kaum die Töne trifft. Während sie ihr Bett erklimmt, geht ihr schon mal die Puste aus. Besonders schwungvoll klingt das nicht. Aber der Text sitzt:

„In der Nacht ist der Mensch nicht gern alleine,
Denn die Liebe im hellen Mondenscheine,
Ist das schönste, Sie wissen, was ich meine,
Einesteils und andrerseits und außerdem.“

Es gibt Schlimmeres, Herr Pfarrer. Glauben Sie mir.

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Über snoopylife

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6 Antworten zu das Schönste, Sie wissen, was ich meine

  1. Mina schreibt:

    Hihi wie süß! Ich lese deine Anektoden immer gern! Sie zaubern mir ein Lächeln ins Gesicht:-)

  2. Himmelhoch schreibt:

    Sehr schön! – Meine Tante (Jg. 1920), die Schwester meiner Mutter, war auch ein „Fräulein“, weil ihr Verlobter im Krieg fiel und sie die Trauung mit dem Stahlhelm ablehnte. – Danach war ja das Männerangebot sehr eingeschränkt. – Meine Mutter hatte auch nur den einen für 2,5 Ehejahre auf dem Papier, in echt 43 Tage. Danach gab es nie mehr wieder einen Mann – und ich hätte so gern einen Ersatzpapa gehabt.

  3. Wiebke Hoogklimmer schreibt:

    …“hat nie einen abgekriegt“…….das wird man später im Altersheim hinter meinem Rücken auch über mich sagen. 😉

    Es könnte ja auch sein, daß sie zu den „Verzauberten“ gehört, die Umschreibung der Homosexuellen in der Nazizeit.

  4. bambooos schreibt:

    Das ist doch von den Prinzen das Lied. Ich mag das auch total. 😉

  5. frauhilde schreibt:

    Wie schön!
    Mehr kann ich dazu gar nicht sagen.

  6. Wiebke Hoogklimmer schreibt:

    Naja, eigentlich ist das Lied von Franz Grothe und wurde damals von Marika Rökk gesungen 😉

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