Waschen, bitte

Frau X hat schon mit den einfachsten Anweisungen ein Problem: Eine Gabel in den Mund stecken, Schuhe anziehen, sich auf den Stuhl setzen, vor dem sie steht – für Frau X jedes Mal eine mentale Herausforderung.

Nun geht es ans Waschen. Nicht nur Frau X bekommt einen Waschlappen in die Hand gedrückt, auch die PK schnappt sich einen und will zeitgleich den Rücken von Frau X bearbeiten. Denn Pflege heißt leider immer noch, so viele Dinge wie möglich gleichzeitig zu erledigen. Sonst reicht die knappe Zeit nicht für alle Aufgaben.

Natürlich beginnt die Dame mitnichten, sich das Gesicht zu waschen. Viel lieber möchte  sie den Waschlappen wieder abstreifen. Die PK will das verhindern. Sie greift nach der Hand von Frau X. Streicht der Dame mit dem zweiten Waschlappen über den Arm, um ihr begreiflich zu machen, worum es geht.

Endlich – Die Hand mit dem ersten Waschlappen setzt sich in Bewegung…

Es ist ein paar Jahrzehnte her, dass der Arm der PK von jemand anderem gewaschen wurde.

Bis sich das wiederholt, werden – hoffentlich – weitere Jahrzehnte vergehen. Fraglich, ob  dann dabei auch noch jemand so herzlich lacht.

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4 Antworten zu Waschen, bitte

  1. Sofasophia schreibt:

    vielleicht sind es diese lacher, die euch pk für die mühe und den zeitdruck kompensieren?

  2. Himmelhoch schreibt:

    Ist das toll geschrieben – und die Informationen sind so ein wenig versteckt. Wenn das ganze mit der Vergesslichkeit nicht so traurig wäre, könnte auch ich ganz unbeschwert lachen. – Meine Mutter hat sich ja nicht aus Aufsässigkeit gerade wieder vor den Sessel gesetzt, sondern weil das „Pflichtbewusstsein“ von früher stärker in ihr ist als das Merken der Anweisung, sich nicht vom Tisch zu rühren.

  3. Tja nü, die Zeit spart sie dann abends bei ihrer eigenen Körperpflege ein und kann sich mit weiteren Aufgaben der Patientin widmen.

    Immer positiv denken, nöch?! ;o))

  4. emia neon schreibt:

    … Also in manch anderen Ländern ist das Gewaschen-Werden ja uralte Tradition: zB in Marokko, im Hammam-Bad… Eigentlich eine äusserst angenehme Sache, ein Mit-Sich-geschehen-Lassen, das man hierzulande nur mit säuglingshafter Hilflosigkeit verbinden kann.

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