Wieder gesund sein

Demenz ist keine gleichmäßig verlaufende Krankheit. Es wird nicht nur immer schlechter. Manchmal geht es auch „bergauf“: Den Betroffenen wird die eigene Lage deutlich.

Ob das gut oder schlecht ist, mag jeder selbst entscheiden.

Neulich abend, Frau Y liegt schon im Bett. Eine Pflegekraft geht noch mal rein, nach dem Rechten sehen.

Frau Y signalisiert, dass sie hofft, bald hier raus zu kommen.

Soweit nichts Neues, das ist einer der Klassiker.

„Hier raus?“, fragt die PK abwesend. (Wird die Übergabe lange dauern? Wird sie ihren Bus schaffen?)

„Ja, wenn ich wieder gesund bin.“, sagt Frau Y.

„Gesund?“ (Regnet es draußen? Hat die PK einen Schirm dabei? Sind überhaupt zuhause alle Fenster—)

Schließlich erklärt die Bewohnerin, leicht unwillig ob der Begriffsstutzigkeit der Jüngeren:

„Na, meine Schwierigkeit, die richtigen Worte zu finden!“

Man stelle sich das vor. Nicht nur den inneren Zustand der Bewohnerin. Man stelle sich auch vor, es wäre möglich, diesen Prozess zu stoppen. Was würden uns die Bewohner alles erzählen. Später. Wenn sie wieder gesund sind.

Was könnten wir lernen.

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Gar nichts.
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3 Antworten zu Wieder gesund sein

  1. Holger schreibt:

    Das wäre allerdings krass. Ich frage mich manchmal, ob man so etwas nicht vielleicht an Hand von anderen Demenzen (also nicht-Alzheimer-Demenzen) beobachten könnte? Aber u.U. ist das auch systemisch ausgeschlossen: Wie soll das Gehirn mit eigenen Mitteln früheres eigenes (!) Versagen beobachten können? Ungemein spannend wäre es trotzdem…

  2. Vallartina schreibt:

    Was würden sie erzählen? Vielleicht würde der eine oder andere sich gar schämen müssen! (Antwort bedingt durch schlechte Erinnerung meinerseits während der Krankheit meines Vaters….)
    Ich finde es sehr gut, dass Du das Thema Demenz hier aufgreifst, danke.
    GLG

  3. Sofasophia schreibt:

    was könnten wir lernen. wenn wir wirklich zuhören würden.

    puh. gut hingeschaut!

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