Time! (2)

Frau Z beim selbständigen Essen:

wie sie ein Stückchen Brot in die Hand nimmt, welches schon nicht mehr als erbsengroß ist, das zum Mund führt, den sie öffnet, aber sie – hält inne, dreht es um, hält es ein Stück weiter weg, versucht, zu erkennen, was das ist (sie sieht kaum noch was), führt es wieder zum Mund, hält inne, dreht es um usw. alles in ZEITLUPE!!! und das nur um es

A) wieder wegzulegen

B) fallen zu lassen

C) davon noch ABZUBEISSEN und den Rest fallen zu lassen.

Eine halbe bis eine Stunde pro Mahlzeit ist Standard.

Zitat Anfang                                                                                                                                   „Für die 13 häufigsten Verrichtungen der Grundpflege wurden … Zeitkorridore entwickelt. … Wird die Hilfe in Form der „teilweise Übernahme“ oder als „Beaufsichtigung“ geleistet, können die Zeitvorgaben nur teilweise angerechnet werden. …

[Zeitvorgaben??? Et voilá:]

(9)… Manche Menschen können die Nahrung nicht selbst zum Mund führen. Ihnen müssen Speisen und manchmal auch Getränke zum Mund gereicht werden. Dafür werden grundsätzlich 15 bis 20 Minuten für höchstens drei Hauptmahlzeiten angerechnet.“  Pflege Zitat Ende

Quelle: http://www.pflegestufe.info/pflege/zeiten.html,  Einschub und Hervorhebung von Snoopy

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Über snoopylife

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5 Antworten zu Time! (2)

  1. Der Emil schreibt:

    Okay, Du kannst nichts dafür, aber so deutlich habe ich es noch nirgends gelesen (deshalb danke fürs Zitieren und Hervorheben):

    Ganze FÜNF MINUTEN (okay, 6:40 min) dauern nach Vorgabe (von wem eigentlich) jeweils Frühstück, Mittagesssen und Abendbrot? Das nenne ich Realitätsverlust, menschenverachtenden Realitätsverlust. (Ich reg mich grad auf darüber, heftig reg ich mich grad auf.)

  2. Taylorismus beim Pflegedienst. Altenbetreuung 2012 wird mit Industriekapitalismus-Methoden bewertet – es ist tatsächlich absurd.

    Im Übrigen ist Zeit auch das Problem der privaten Betreuung, im Sinne von „familiär“.
    Stell dir vor, – nur um einfach mal ein Beispiel zu konstruieren – dein Chef gibt dir zwischendurch außer der Reihe eine Stunde Zeit, damit du dich an diesem Tag bei den Eltern um das Nötigste kümmern kannst – Wäsche, Staubsaugen, Blumen, Lüften – du rotiertest durch die Wohnung, glaubtest schließlich, das Notwendigste gerade so geschafft zu haben, bist a bissel in Verzug, willst aber rasch zurück ins Büro – da siehst du, wie dir dein Vater in die Schuhe pinkelt. Von da an man schließlich alle Zeit der Welt, jetzt kann jedermann das Büro abhaken.

    Zeit ist nicht berechenbar.

  3. snoopylife schreibt:

    Noch mal zu Klarstellung: Pro Mahlzeit werden fünfzehn bis zwanzig Minuten eingeräumt. Aber selbst das ist bei dem überwiegenden Teil derer, die wirklich Hilfe brauchen, ein Witz.
    Ergänzung: natürlich gehen Mahlzeiten im Heim dann doch länger. Aber du als PFLEGEKRAFT hast nur diesen Zeitkorridor, um dem jeweiligen Bewohner zu helfen. Es läuft darauf hinaus, dass überall rasende Pfleger ihre knappe Zeit aufteilen müssen auf mehrere Hilfebedürftige. Haste zum Beispiel auf einem Wohnbereich drei, denen du anreichen musst, weil sie gar nichts mehr alleine können, musste (würdest du dich streng an die ZEITKORRIDORE halten) schon eine dreiviertel Stunde allein dafür rechnen. Dann gibts aber eben noch die wie Frau Z. Siehe oben.

    • Der Emil schreibt:

      Danke für die Aufklärung, also doch wenigstens 20(15) Minuten je Mahlzeit.

      Trotzdem ist für mich diese zeitvorgebende Betreuungs- oder was-auch-immer-Richtlinie etwas, das es nicht geben dürfte. (Allerdings habe ich keine bessere Lösung parat.)

    • snoopylife schreibt:

      Recht haste. Genau das wollte ich zeigen: Minutenvorgaben gehen gar nicht. Wir haben es nämlich nicht mit Maschinen zu tun, sondern mit Menschen. Lieben Gruß von Snoopy
      Edit: Wer von uns, der eine Lösung parat hätte, würde nicht schleunigst in die Politik wechseln, mit dem entsprechenden Gehalt 😉

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