Ich weiß nicht, dass ich nichts weiß

Frau Y erhält ihre Medikamente.

Es ist zwanzig Uhr, sie liegt schon im Bett.

Nach einer besonders großen Tablette fragt die Pflegekraft fürsorglich:

„Na, isse weg?“

„Nein.“, sagt die Dame.

„Dann trinken Sie noch etwas nach!“ Die PK reicht der Frau etwas zu trinken. Die Frau schluckt.

„Na, isse weg?“

„Nein!“

„Dann trinken Sie noch etwas…“ usw.

Nach dem fünften Nein wird die PK stutzig.

„Frau Y, machen Sie bitte mal den Mund auf!“

Die Dame öffnet den Mund – NICHTS. Die Tablette ist weg. (Ausgespuckt haben kann sie sie nicht, die PK war ja dabei.)

PK „Oh, wo isse denn hin?“

Frau Y: „Weiß nich…“

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Über snoopylife

Gar nichts.
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8 Antworten zu Ich weiß nicht, dass ich nichts weiß

  1. M. schreibt:

    Erinnerst du dich noch daran, als wir mit der Pflege angefangen haben? Da hätten wir so ein Spielchen wohl stundenlang mitgespielt und wären schier verzweifelt. Heute wissen wir um die kleinen Dinge, die mich zumindest immer wieder zum Lachen bringen…

    Im Heim sind viele Zauberer und zaubern alles weg, einfach so, sogar die benutzten Einlagen 😉

    • snoopylife schreibt:

      Huch? Mein Kommtentar ist verschwunden. Egal. Sollte er noch mal auftauchen, macht das aber nichts, schließlich kann man das gar nicht oft genug sagen: Hihi 🙂

  2. gitti schreibt:

    ..bin erst heute auf deinen blog gestossen…und ich habe jeden beitrag aufgesogen und wollt einfach nur anmerken, dass ich deine art zu schreiben sehr herzerfrischend finde (manchmal auch sehr zum nachdenken anregend und…für mich… in erinnerungen schwelgend). ich habe viele jahre in der „altenpflege“ und sterbebegleitung gearbeitet und musste (wollte) aus gewissen lebensumständen heraus aus diesem beruf (dieser berufung) aussteigen. aber ich erinnere mich gerne an diese (fast 12) jahre meines lebens zurück, die mir so viel gegeben haben. so viele lebensgeschichten, ratschläge, leid, trauer, tiefe, erfahrungen, liebe, gefühl und zwischenmenschlichen schwingungen…nie mehr danach hab ich „leben“ so sehr gespürt wie in diesen jahren….und ich möchte keine einzige minute aus dieser zeit missen….
    es ist wunderschön zu lesen, dass es menschen gibt die diesen beruf ausüben und dann das alles auch noch so wunderbar in worte fassen können

    DANKE und lg aus wien
    gitti

  3. Himmelhoch schreibt:

    Die Philosophen oder Angeber sagen; „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ – aber die Dementen müssten oder könnten sagen, so wie du es schreibst: „Ich weiß nicht, dass ich nichts weiß.“ – Meine Mutter ist in Tempelhof / Stadtgrenze Seglitz in der Hildburghauser Str. in einem Pflegeheim – aber trotz ihrer 97 Jahre nicht dement, nicht richtig, nur bisschen tüdelig, wenn sie zu wenig trinkt. Mit dem Heim und den PKs bin ich seeeeeeeeeeeeeeeehr zufrieden. – In welchem Stadtteil von Berlin arbeitest du? – Mir gefällt deine Art zu schreiben auch sehr.
    Liebe Grüße von der immer noch aushäusigen Clara

    • snoopylife schreibt:

      Liebe Clara, wie kommst du nur auf Berlin? 😉 Ich darfs nicht verraten, nicht mal annähernd, leider. Es ist aber nicht das Heim deiner Mutter 🙂 Danke übrigens für das Kompliment! Tüdelig is auch schön ausgedrückt, – und die Beobachtung, dass schon Flüssigkeitsmangel zu demenzähnlichen Symptomen führen kann ist sehr richtig und kann gar nicht oft genug betont werden! Liebe Grüße von Snoopy

  4. Himmelhoch schreibt:

    das hier hast du unter „Was ist“ geschrieben: „Das geile daran, in einem Berliner Seniorenheim zu arbeiten: Da wohnen waschechte Berliner mit der typischen Berliner Schnauze, einem
    riesengroßen Herzen und einem unschlagbar coolem Humor.“
    Deswegen bin ich auf Berlin gekommen!

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